NABU Friedberg vermittelt neue Pächter für Streuobstwiesen

In den ersten Monaten des Jahres 2017 konnte der NABU Friedberg einige, zuletzt aber ungepflegte Streuobstwiesen  an einen Pächter vermitteln. Darunter befanden sich auch zwei kleinere Streuobstwiesen in Dorheim, die die Stadt Friedberg als Ausgleichsflächen angelegt hat.

Februar 2017 - Organistion eines Obstbaumschnittkurses

Auch dieses Jahr hat der NABU Friedberg - in Zusammenarbeit mit der Umweltwerkstatt Wetterau - wieder einen Obstbaumschnittkurs angeboten. Diesmal fand er auf dem Wingert bei Dorheim statt. Referent war das langjährige Mitglied des NABU Hirzenhain Jürgen Faust. Rund 30 Teilnehmer nahmen teil. Der Kurs war ein voller Erfolg, an eine Wiederholung im kommenden Jahr ist angedacht.

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Oktober 2016 - Obstbaum-Bestellaktion

Seit über zehn Jahren vermittelt der NABU Friedberg hochstämmige Obstäume. Auch 2016 war die Nachfrage mit mehr als 70 Bäumen wieder groß. Leider konnten in diesem Jahr nachgefragte lokale Sorten wie Dorheimer Streifling und Friedberger Bohnapfel nicht liefern. Mit insgesamt über 1.000 vermittelten Obstbäumen ist diese Aktion sehr erfolgreich und unterstützt die Bemühungen des NABU Friedberg zur Förderung und zum Erhalt der noch vorhandenen Streuobstwiesen bei.

24.4. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

In der Ausgabe vom 23. April berichtet die FAS über Initiativen von vier Bundesländern zur Förderung der besonders artenreichen Streuobstwiesen. Insbesondere wird herausgestellt, dass es gilt, Konzepte zur Förderung und Vermarktung des Obstes der Streuobstwiesen zu entwickeln. Zitiert ist u.a. Markus Rösler vom NABU.

PM des NABU Friedberg zur geplanten Förderung des Gartenrotschwanzes durch den Wetteraukreis

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Pressemitteilung des NABU Friedberg zur Fördermaßnahme für den Gartenrotschwanz
2016 02 PM Nisthilfen für den GR final.p
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Baumpflege - Aktive des NABU Friedberg bilden sich beim Schnittkurs weiter

Aktive des NABU Friedberg beteiligen sich an Obstbaumschnittkursen, die von der Umweltwerkstatt angeboten Ende Januar und ANfang Februar 2016 wurden.

Einige Bilder finden Sie in der Bildergalerie!

25 Jahre Deutsche Einheit – Hessen übergibt „Dorheimer Streifling“ an Thüringen

Besondere Auszeichnung für Hessens lokale Apfelbaumsorte des Jahres 2009

Praktizierter Artenschutz – die vor Jahren fast verschwundene lokale hessische Apfelbaumsorte des Jahres 2009, der „Dorheimer Streifling“, wurde durch den Einsatz des Dorheimer Diplom-Biologen Gerd Bauschmann und der Baumschule Rinn gerettet. In einem Artikel der Zeitschrift „Das Gartenjahr“ aus dem Jahr 1949 beschrieb H.Schmidt diese Lokalsorte. Danach verschwanden die Bäume und das Wissen um diese Apfelsorte. Erst 1995 konnte Bauschmann durch einen Aufruf in der lokalen Presse drei Standorte, darunter einen Baum am Dorheimer Wingert, identifizieren. Später gelang es noch weitere fünf Bäume dieser Sorte aufzufinden. Von einem der wenigen erhaltenen Bäumen schnitt Bauschmann Edelreiser, die dann von der Baumschule Rinn auf Unterlagen aufgepfropft wurden. Inzwischen gibt es in der Friedberger Gemarkung auch wieder einige junge Bäume dieser Sorte. Denn der Dorheimer Streifling ist in der seit Jahren durchgeführten Obstbaum-Bestellaktion in Friedberg in den letzten Jahren einer der am meisten nachgefragten Bäume.


Und nun erhielt diese Obstbaumsorte eine besondere Auszeichnung. Wie uns die Baumschule Rinn mitgeteilt hat, wählte die Hessische Staatskanzlei diese Sorte unter vielen hessischen Lokalsorten aus. Anläßlich der Feier zum 25. Jahrestag der Deutschen Einheit in Frankfurt überreichte Hessens Ministerpräsident einen „Dorheimer Streifling“ seinem thüringischen Amtskollegen. Der Vorstand des NABU Friedberg sieht darin eine besondere Anerkennung und dankt Gerd Bauschmann und der Baumschule Rinn für ihren Einsatz beim Erhalt dieser besonderen Dorheimer Spezialität.

NABU Friedberg gegen Einsatz von Pestiziden gegen die Kirschessigfliege

Seit rund vier Jahren ist in Deutschland ein neuer Schädling aufgetreten – die Kirschessigfliege. Diese ursprünglich aus Asien stammende Fliege stellt für den gesamten Stein- und Beeren-Obstanbau eine Gefahr dar. Sie hat keine natürlichen Fressfeinde und vermehrt sich stark. Ein weiteres Problem – sie befällt Früchte kurz vor der Ernte und legt die Eier in das Fruchtfleisch.

 

Laut Aussagen verschiedener Forschungsgruppen z.B. der Justus-Liebig-Universität in Gießen oder dem Julius-Kühn-Institut steht derzeit kein wirksames Insektizid zur Verfügung. Der NABU Friedberg sieht beim Einsatz von Insektiziden in diesem Fall grundsätzlich zwei Problemkreise. So wirken viele Insektizide nicht nur gegen bestimmte Schadinsekten. Sondern sie töten z.B. auch Bienen oder Hummeln, die als Bestäuber für den Obstanbau benötigt werden. Viele Imker sehen bereits jetzt den massiven Gifteinsatz als eine der Hauptursache für zu beobachtende Bienensterben. Da die Kirschessigfliege erst kurz vor der Ernte ihre Eier in das Fruchtfleisch legt, müssen Insektizide kurz vor der Ernte ausgebracht werden. Welche Auswirkungen sich daraus beim Verzehr der Früchte durch den Menschen ergeben, mag sich jeder selbst ausmalen.

 

Stellt sich nun die Frage, wie der Gefahr durch diesen Schädling begegnet werden kann. Zunächst bleibt festzuhalten, dass die Schäden durch die Kirschessigfliege in diesem Jahr überraschend geringer ausgefallen sind als letztes Jahr. Warum das so ist, erstaunt auch die Forschung. Derzeit wird unter Hochdruck an Lösungen gearbeitet. So werden am Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenburg vielversprechende Versuche mit engmaschigen Netzen durchgeführt – leider eine sehr teure Maßnahme. Das Fraunhoferinstitut für Insektenbiotechnologie arbeitet an der Züchtung von gentechnisch unfruchtbar gemachten Fliegenmännchen. Diese sollen – in großer Zahl eingesetzt – die fruchtbaren Männchen verdrängen. Bleibt festzuhalten, es gibt erfolgversprechende Ansätze zur Bekämpfung der Kirschessigfliege, die auf den Einsatz ohnehin kaum wirksamer Insektizide verzichten.

 

Umsomehr wundert sich der NABU Friedberg über die Aussage des Bundestags-abgeordneten Veith (WZ vom 19.8. „Innenpolitik und Kirschessigfliege“). Dieser hatte laut dem Bericht die „Sondergenehmigung zum Einsatz eines alternativlosen Insektizids“ gegen die Kirschessigfliege als besonderen Erfolg dargestellt. Der NABU Friedberg sieht die sich durch diesen neuen Schädling ergebende Gefahr – nicht nur für den gewerblichen Obstanbau, sondern auch für Streuobstwiesen sowie der dort wachsenden Wildobstsorten wie z.B. Holunder. Da jedoch die Wirksamkeit der zur Verfügung stehenden Insektizide – auch der nichtzugelassenen – nach Aussage der Wissenschaftler sehr gering ist, können wir auch wegen der möglichen negativen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt in der erteilten Sondergenehmigung keine Erfolgsmeldung erkennen. Der NABU Friedberg lehnt derzeit einen Insektizideinsatz gegen diesen Schädling ab.


NABU Friedberg  –  Streuobstwiesen in Hessen – ein Auslaufmodell?

Viele kennen Sie noch – die für die Wetterau typischen Streuobstwiesen. Hochstämmige Obstbäume unterschiedlicher Arten und Sorten, locker verteilt über saftige Wiesen mit vielen unterschiedlichen Blütenpflanzen - ein Eldorado für die Tier- und Pflanzenwelt. Doch der Mensch, der diese besonders artenreiche Kulturlandschaft über Jahrhunderte geschaffen hat, könnte auch verantwortlich sein für ihren schleichenden Untergang.


Streuobstbestände verzeichnen einen dramatischen Flächenrückgang – in Mitteleuropa beträgt der Rückgang rund 75 %. Seit vielen Jahren setzt sich der NABU Friedberg für den Erhalt und die Erneuerung dieses besonders artenreichen und nach §30 Bundesnaturschutzgesetz geschützten Biotops ein. Und es wurden Erfolge erzielt. Das Streuobstgebiet Dorheimer Wingert wurde 2012 als UN-Dekade-Projekt ausgezeichnet. Neuanpflanzungen hochstämmigee Obstbäume erfolgten in größerem Umfang auf Ausgleichsflächen. Und zunehmend pflanzen private Grundstückseigentümer, die den Wert dieser Landschaft erkannt haben, wieder neue hochstämmige Obstbäume. Dabei finden manche seltene Sorten wie z.B. der Dorheimer Streifling Berücksichtigung.


Vielfach wurden und werden immer noch Streuobstbestände gerodet und die Flächen dem Plantagenobstanbau zugeführt. Natürlich sind Plantagen mit Niederstämmen einfacher zu bewirtschaften und ertragreicher. Ob sie aber auch die gleichen Qualitäten wie die Streuobstwiesen haben, ist zumindest zweifelhaft. So setzen die Plantagen zumeist auf wenige Obstsorten, die Vielfalt geht verloren. Auch wird beim Streuobst häufig völlig auf den Einsatz von Pestiziden verzichtet. Selbst das Anbringen von Nistmöglichkeiten im Plantagenanbau kann die Artenvielfalt nicht in vollem Umfang erhalten. So zeigen Beobachtungen, dass nur ein ganz kleiner Teil der Vogelwelt seine Nahrung auf Obstplantagen findet – anders als auf den Streuobstwiesen.


„Um nicht falsch verstanden zu werden, wir sehen Möglichkeiten, Plantagen- neben Streuobstwiesenanbau zu betreiben“, so Ruth Müller, Vorsitzende des NABU Friedberg. „Auf für Landwirtschaft geeigneten Flächen kann durchaus Intensivobstanbau betrieben, andere Flächen könnten dagegen im extensiven Streuobstanbau bewirtschaftet werden. Das Nebeneinander beider Anbauformen kann so die Bedürfnisse der unterschiedlichen Obstanbauer und deren Kundentypen bedienen.“

 

Der NABU Friedberg begrüßt die Initiative Streuobsttage 2015, die dieses Jahr unter dem Motto „Streuobst-Bienen-Jahr 2015“ steht. Vor unserer Haustür findet am 6. Mai auch der Hessische Obstwiesenkongress im Hessenpark statt. Parellel dazu bietet das Freilichtmuseum an diesem Tag eine Ausstellung dazu an. Neben dem Anbau geht es auch um die Vermarktung. Das Beispiel des Apfelweins die „6 Richtigen“, hergestellt in der Kelterei und Straußwirtschaft Rote Pumpe, Nieder-Mörlen, belegt die Vermarktungsfähigkeit von Streuobst bei intelligenten Konzepten. Naturschutzgruppen aus der Wetterau haben ihre Streuobsternte zur Verarbeitung angeliefert und dafür faire Preise erzielt. Ausgebaut als reine Gemarkungsapfelweine von naturbelassenen Äpfeln aus der Region werden die „6 Richtigen“ in der Straußwirtschaft Rote Pumpe erfolgreich verkauft.

 

Auch die Politik hat die besondere Bedeutung des Streuobstes erkannt. So betonte die Hessische Umweltministerin Priska Hinz dieser Tage in ihrem Grußwort zu den Streuobsttagen: „Wir haben in Süddeutschland, also auch in Hessen die größten Streuobstbestände Westeuropas. Sie zählen zu den artenreichsten Lebensräumen überhaupt und sind schon seit Jahrzehnten von großem Interesse für alle, die sich mit Natur- und Landschaftsschutz oder Imkerei beschäftigen und regionale Lebensmittel genießen wollen.“