12. Januar - Spaziergang in die Dorheimer Geschichte - die großen Gutshöfe und der Adel

Plan des alten Dorheim - Die Wetter (Bildmitte) begrenzt Dorheim nach Norden, am unteren Rand der Breidenbach#sche Hof
Plan des alten Dorheim - Die Wetter (Bildmitte) begrenzt Dorheim nach Norden, am unteren Rand der Breidenbach#sche Hof

Wer sich mit der lokalen Geschichte befasst, stellt schnell fest – manche Stadtteile Friedbergs sind älter als die Kernstadt selbst. Und sie haben in Sachen Kultur einiges zu bieten.  Das am Beispiel Dorheims vorzustellen, hatten sich der NABU Friedberg und der Referent Dr. Klaus Rack, Ortsvorsteher und Historiker, beim traditionellen Spaziergang zum Jahresanfang als Thema gewählt. Das Interesse war groß und so konnte Ruth Müller, vom NABU Friedberg rund 45 Gäste begrüßen. Bevor dann Dr. Rack die Führung in die Historie Dorheims startete, ermöglichte der NABU, den Trafoturm und die bisherigen Einbauten zu besichtigen. Den Turm hatte der NABU im Sommer von der Stadt Friedberg zum Umbau in ein Quartier für Schleiereule, Fledermaus und Co. übernommen.

 Dr. Rack führte die Gäste dann in die Historie Dorheims. Bereits im 13. Jh. befand sich im Bereich des heutigen Schlosses eine Wasserburg. Das umfangreich sanierte und umgebaute Schloss ist heute im Eigentum der  Grafenfamilie Solms-Laubach. Rund um das Schloss entstanden einige größere Hofgüter wie der Breidenbach’sche, der Reif’sche und der Mühlhof, deren Gebäude heute noch erhalten sind. Weitere ehemalige Höfe, teilweise mit schön renoviertem Fachwerkfassaden, befinden sich im alten Ortskern. Zu den prominenten Bürgern der Gemeinde gehörte auch der Gutsbesitzer Karl Breidenbach, der1905 als Abgeordneter in den Hessischen Landtag zu Darmstadt gewählt wurde. Aus diesem Anlass stiftete seine Mutter zwei farbige Kirchenfenster, die von Prof. Linnemann gestaltet wurden. Neben vielen Glasfenstern u.a. in Frankfurt realisierte Linnemann auch Fenster für die Friedberger Stadtkirche. Die Bilder sind heute noch in der Johanniskirche vorhanden und einen Blick wert.

  Das Amt Dorheim, zu dem seinerzeit das heutige Bad Nauheim gehörte, war lange Zeit kurhessisch, während die umliegenden Gemeinden Hessen-Darmstadt zugeordnet waren. Diese Insellage und die Sympathie einiger Dorheimer zur Gruppe um die Revolutionäre Büchner-Weidig führten vermutlich dazu, dass sich Büchner vor seiner Flucht aus Deutschland einige Tage in Dorheim aufhielt. Nach vielen Informationen ging es dann noch zum Abschluss des gelungenen Spaziergangs in den Hof der Familie Rack. Bei vom NABU gereichten heißen Getränken und Weihnachtsplätzchen wurde umfangreich diskutiert und festgehalten, Dorheim ist auch in touristischer Hinsicht einen Besuch wert.

  Nur kurz gestreift wurden die "alte Kinnerschul", das Hanauische Amtshaus - heute eine "provisorische" KITA, der ehemalige Veithhof. Da einige Besucher froren, wurde der Rundgang durch die Kreuzgasse einer der ältesten Teile Dorheim nicht mehr durchgeführt. Mit Erstaunen nahmen die Besucher auf, als Klaus Rack über die vielen Gasthäuser sowie das Cafe Faber, in dem auch Frauen zugelassen waren, berichtete.  Dies war übrigens ein Zeichen für den Wohlstand der Gemeinde in der damaligen Zeit. Nach Süden war Dorheim an der Straße nach Friedberg durch das Obertor (auf der Höhe der Fa. Steinwachs) und nach Norden durch das Untertor in Höhe der Wetterbrücke eingegrenzt. Beide Gebäude sind leider nicht mehr vorhanden.